Die Eröffnungsrede hielt Prof. Muhammad Yunnus. Ich habe schon einige Reden von vermeintlichen Schwergewichten gehört. Prof. Yunnus war sicher unter den beeindruckensten Persönlichkeiten, die ich je sehen und vor allem hören durfte. Klare einfache Visionen und Worte, ebenso bestechend menschlich wie logisch wie pragmatisch. Keine Theorien, sondern Erfahrungen – beindruckende Erfahrungen. Das Publikum hat ihm seine Worte mit standing ovations gedankt.
Prof. Günter Faltin folgte auf der Rednerliste. Sicher keine dankbare Aufgabe, aber dennoch ein kurzweiliger, humorvoller und lehrreicher Vortrag.
Nach diversen Workshops und Kurzvorträgen leitete am Abend eine Videokonferenz mit Hernando de Soto in Peru die Schlussphase ein. Seine Erfahrungen zum Thema Entrepreneurship aus Peru lassen ganz schnell hiesige Schwierigkeiten in einem ganz anderen Licht erscheinen.Den kräftigen Schlusspunkt setzte der streitbare Prof. Frithjof Bergmann mit “Vision einer Gesellschaft nach der Lohnarbeit”. Wobei der Titel etwas in Irre führt. Längst sind aus der einstmaligen Vision – die gerne auch etwas unpräzise und sehr verkürzt “Neue Arbeit” genannt wird – reale Projekte in allen Teilen der Welt geworden. Und zwar nicht nur in Afrika oder Asien, sondern auch in den USA und Deutschland.
Noch bin ich etwas benommen, von der Klarheit, der Präzision und Unerschütterlichkeit der Gedanken und Vorstellungen dieser Menschen. Es ist eine wohltuende Wahrnehmung und Erfahrung, dass die Zweifel und die Unfassbarkeit die ich angesichts der gerade agierenden wirtschaftlichen, politischen und geistigen Eliten empfinde, viel weiter verbreitet sind, als ich dachte und dass es Gegenentwürfe gibt, die bereits funktionieren. Sie erfordern keine Revolution, keine Massenbewegung, nichts was fern und unmöglich erscheint, sondern vielmehr das Handeln des einzelnen Individuums. Ich kann, will und muss was tun – jeder kann das. Im Grunde klar, aber schön nochmal zu hören.
Hier noch ein paar gemerkte Aussagen – aus dem Gedächtnis. Wenn ich meine Notizen nochmal lese, werde ich vielleicht zu den einzelnen Erfahrungen, Vorträgen, Konzepten noch etwas ausführlicher berichten.
Muhammad Yunnus:
- Die Trennung zwischen Entrepreneurs und Arbeitnehmer ist künstlich, nicht natürlich.
- Der Natur des Menschen entspricht es eher ein Entrepreneur zu sein.
- Jeder ist ein Entrepreneur. Es bedarf keiner besonderen Fähigkeiten dazu, nur etwas Beharrungsvermögen.
- Wir sollten den Planeten, den uns unsere Eltern überlassen haben, sicherer machen, bevor wir ihn an unsere Kinder übergeben. Wir haben nur diesen Planeten. Momentan passiert aber genau das Gegenteil.
Günter Faltin:
- Das Konzept ist wichtiger als die Idee. Es mangelt in Deutschlands Entrepreneurszene an guten Konzepten.
- Die Gründungsförderung in Deutschland ist Mist. Sie ist im Wesentlichen auf HighTec Gründungen ausgerichtet. Jene sind aber nur ein sehr kleiner Teil der nachhaltig erfolgreichen Unternehmensgründungen.
- Ein Entrepreneur muss nichts von Betriebswirtschaft verstehen. Oft ist das sogar kontraproduktiv.
Otto Herz (und bevor jetzt jemand aufheult, er beansprucht nicht die Urheberschaft)
- Wir werden als Originale geboren und unser Bildungssystem macht uns zu einer Menge Kopien.
- Die Kinder des 21 Jhd. werden von Lehrern des 20 Jhd. in einem Schul- und Bildungssystems des 19 Jhds. unterrichtet.
Frithjof Bergmann
- Politiker wissen nicht, was sich wie ändern kann und muss. Sie wissen nicht, was zu tun ist. Deshalb reden sie von Wachstum.
- Die Finanzkrise und das Gerede vom Wachstum sind “Schleier” um die wirklichen Krisen – z.B. die gesellschaftliche Krise, die ökologische Krise, die Ressourcenkrise, die Sinnkrise usw. – zu verstecken.
- Die neuen Technologien der dritten Generation, arbeiten für die Menschen. Die Konzerne und Eliten haben nicht genug Macht, um die Entwicklung eines besseren gesellschaftlichen Entwurfs zu verhindern. Diese Technologien werden die Privilegierung weniger Elitemenschen beenden.
- Bevor man nicht macht, was man wirklich, wirklich will – zumindest den großen Teil seiner Zeit – lebt man nicht wirklich.
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