Gründung einer Unternehmergesellschaft – ein Selbstversuch (Teil III)

Hier (Teil I, Teil II) berichteten wir von unserem Selbstversuch der Gründung einer Unternehmergesellschaft. Nach unserem Notartermin am 03.04.2009 erreichte uns am 9.Juni die offizielle amtliche Mitteilung, dass die Eintragung der Becker & Karsten (UG) haftungsbeschränkt unter der schönen Nummer HRB 120030 beim Handelsregister am Amtsgericht Charlottenburg am vierten Tage des Juni 2009 erfolgt ist. Vielen Dank!

Die Daten der Eintragung werden im Brigitte Zypries:

Mit der Unternehmergesellschaft schaffen wir den nötigen rechtlichen Rahmen, damit unternehmerische Ideen schnell und unkompliziert umgesetzt werden können.

Nun, ob 8 Wochen schnell sind, mag jeder selbst beurteilen. Unkompliziert ist auch nicht gerade das passende Wort für einen noteriell beglaubigten Eintrag in ein deutsches Handelsregister.

Parallel zur laufenden Eintragung haben wir die Firma beim Gewerbeamt und bei den Finanzbehörden zu Protokoll gegeben. In Berlin kann man je nach Art der Gründung “unter www.startercenter-berlin.de schnell und unbürokratisch” seine Anmeldungen zu allerlei Behörden, IHK, Berufsgenossenschaften und anderen Zwangsbeitragseinzugsvereinen erledigen. Theoretisch. Praktisch beschränkt sich der angekündigte enorme Effizienzgewinn in der Wiederverwendung der Adressdaten in den jeweiligen PDF-Formularen. Die muss man zumeist ausdrucken, unterschreiben und per Gottschalks Truppe versenden. Es ist insgesamt erstaunlich, was die Bürokraten einem als Vereinfachung verkaufen.

Nun, aber etwas preisgünstiger als die GmbH ist die Unternehmergesellschaft zu haben. Bei einem Gründungskapital von 600,00 € sind die folgenden Kosten angefallen:

  • Notar: 104 €
  • Amtsgericht: 100 €
  • eBundesanzeiger: 1 €
  • Gewerbeamt: 31 €

Macht in Summe 236 Euro. Als nächstes meldet sich allerdings noch die IHK und fordert den ihr zustehenden Anteil am noch gar nicht verdienten Geld. Da sind wir allerdings nicht zimperlich. Wer für sich in Anspruch nimmt, ganz zu Recht Geld einzutreiben, dem fühlen wir auch auf den Zahn, ob das einen lohnenden Gegenwert dazu gibt. Mehr dazu demnächst hier, auf Hobbynomics. Keep on reading …

Die neue Unternehmergesellschaft: Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) und vereinfachte Gründung nach neuem Recht. Mit Formularteil

Das neue GmbH-Recht 2009

  1. Twitterst du auch? Von der Leidenschaft zum Unternehmergeist (Teil 4)

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15 Kommentare zu “Gründung einer Unternehmergesellschaft – ein Selbstversuch (Teil III)”

  1. Nun, das ist so schlicht nicht zu beantworten. Versuchen wir es dennoch kurz:

    • Ob Unternehmer in der für Ihre Branche zuständigen BG zwangsversichert sind, ist abhängig von Satzung und genauem der Status des Unternehmers. So ist zum Beispiel bei einigen BG der nicht als Arbeitnehmer beschäftigte GmbH Gesellschafter-Geschäftsführer nicht zwangsversichert. In einigen BGs sind Unternehmer pflichtversichert, in anderen nicht. In der Regel kann man das auf der Internetseite der BGs nachlesen – dort findet man meist auch Angaben zu den Beitragssätzen, die sich erheblich unterscheiden können.
    • Wieviel die IHK in Rechnung stellt, ist auch nicht pauschal zu beantworten. Auch da gibt es spezifische Infos auf den Seiten der zuständigen IHKs. Die grundsätzliche Beitragspflicht regelt das IHK-Gesetz, Details die Satzungen der örtlichen IHKs. Existenzgründer kommen manchmal die ersten Jahre glimplich davon, wenn sie nicht eintragungspflichtig (Handelsregister) sind und bestimmte Umsatzhöhen nicht überschreiten. Der IHK Beitrag besteht aus einem Grundbeitrag. Dieser ist meist gestuft nach Umsatzgröße und Rechtsform. Dazu kommt eine Umlage in Promille vom Gewerbeertrag.
    • Das Finanzamt möchte auch Geld sehen, ganz klar. Als durchstartender Hobbynomic muss man sich bei seinem örtlichen Finanzamt anmelden. Dabei kann man gleich die Ist-Versteuerung beantragen. Innerhalb bestimmter Grenzen muss man dann seine Umsatzsteuer erst ans Finanzamt abführen, wenn man das Geld auch eingenommen hat – bei der Sollversteuerung kommt es nur auf die Forderung an. Details verrät Dir Dein netter Steuerberater. Den sollte man haben. Als Existenzgründer muss man zunächst jeden Monat seine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und ggf. auch Umsatzsteuer überweisen – sofern man welche eingenommen hat.
  2. Hallo,

    mich würde interessieren wie hoch die sogenannten Zwangsbeiträge “IHK, BG, etc.” sind. Dies ist ja auch kein unerheblicher Teil.
    Und das Finanzamt, wollte das gleich eine Umsatzsteuervorauszahlung ?

    Schöne Seite – tolle Info

    LG Oliver

  3. Das ist ganz sicher auch eine interessante Alternative, auch wenn sie von vermeintlichen Profis gerne schlecht geredet wird. Auch wenn es ganz sicher noch ein Stück besser zu machen ginge, es ist ein richtiger Schritt. Das muss man ja auch mal erwähnen.

    Effektiv würde mir persönlich schon vollauf genügen, aber selbst das bleibt wohl ein Traum.

  4. Ich höre zum ersten Mal von einer UG. Höht sich sehr interessant an. Dass das deutsche Bürokratentum jemals effizient wird, glaub ich allerdings eh nicht mehr :)

  5. Ich habe auch schon geantwortet. Aber der Postbote ist möglicherweise noch unterwegs.

    Bei bisschen über 1000 UG in Deinem Bundesland, wäre es auch schon ungewöhnlich wenn die StBin viel gehört hätte.

  6. Der Ablauf ist mir schon klar, die Frage war ja, ob billige UG gründen + Umwandeln in GmbH  unterm Strich günstiger kommt, als die von Anfang an teure GmbH-Gründung. Theoretisch dürfte das Umwandeln ja günstiger sein als Neugründung, blabla. Aber gut, ich bin naiv, wir sind in Deutschland, was mach ich mir Gedanken es würde evtl. nicht mehrfach abgegriffen… ;-)
    Nach Angaben einer befreundeten Steuerberaterin, klingt die UG – zumindest hier in der Ecke – ziemlich tot, sie weiß von keiner einzigen Gründung.
    Übrigens hast du Post, Olaf.
     

  7. Ohne das ich jetzt Jurist wäre oder einen ersetzen will, aber Du irrst. Das günstige an der UG Gründung kommt im Wesentlichen daher, dass ein Musterformular verwendet wird und dass das Kapital so gering ist. Die Notargebühren richten sich nach dem Geschäftswert oder so ähnlich und der wird mit dem Gründungskapital angesetzt. Will man in eine GmbH umwandeln, braucht man erstmal das nötige Stammkapital, wie bei einer Neugründung auch. Das bedarf eines Gesellschafterbeschlusses, ebenso wie die Umwandlung. Beides muss notariell beglaubigt und ins HR eingetragen werden. Die Gebühren fallen also genauso an, zusätzlich zum Gründungsaufwand für die UG. Das macht also keinen Sinn. Dann kann man lieber gleich eine richtige GmbH gründen.

  8. :o Die Technik macht mich dieser Tage fertig. Wenngleich ia oft behauptet wird, dass diese so gut ist wie der Nutzer. Wie dem auch sei, der Link sollte jetzt gehen. :-)

  9. Nun, hier steht auch was dazu http://www.uni-jena.de/Forschungsprojekt_Unternehmergesellschaft-page-15120-highlight-unternehmergesellschaft-site-rewi.html
     
    Man nenne mich eine böse Unke, aber: Angenommen ich würde eine “richtige” GmbH gründen wollen, eine relativ einfach gestrickte, wäre es dann nicht sinnig eine UG zum Schnäppchenpreis zu gründen und sie kurze Zeit später in einem GmbH umzuwandeln? Unterm Strich sollte man da doch noch immer günstiger stehen als bei der “normalen” GmbH-Gründung oder irre ich mich?
    Mich wundert das ganze etwas, ich verfolge die UG schon länger und hatte nach den diversen Änderungen, die dann doch noch reingebastelt wurden den Eindruck, dass die Leute eher enttäuscht waren, zumindest die, die eine Ltd-Alternative suchten, nicht die größeren GmbHler die evtl. Nutznießer sind. Aber das ist zugegeben nur mein subjektives Empfinden..

  10. Der Link ist leider tot :-(

  11. Okay, da müssen wir uns korrigieren. Die UG ist der Renner:

    http://www.rewi.uni-jena.de/Forschungsprojekt_Unternehmergesellschaft-page-15120.html

  12. Die UG ist in der Tat eine Sonderform GmbH. Ich hatte auch nach Gründungszahlen recherchiert, aber keine vertrauenswürdige Quelle gefunden. In den amtlichen Statistiken taucht die UG als Rechtsformbesonderheit gar nicht auf, sondern wird als GmbH abgefackelt. Nachdem was wir mit den Notaren erlebt haben, ist es eher unwahrscheinlich, das ein echter RUN statt gefunden hat. Aber die Möglichkeiten sind ja noch jung. Warten wir es mal ab. Wir fragen mal beim BMWI, ob es Zahlen gibt.

    Was man nun sinnvoller Weise wählt, ist sicher von etlichen individuellen Faktoren abhängig. Da sollte man einen Profi konsultieren. Wenn Du darüber plaudern willst – IM Daten sind ja auf der Seite zu finden oder (030) 32510432.

  13. Interessant endlich mal Fakten zur UG (haftungsbeschränkt) zu lesen – danke dafür.
    Nur machen mir diese Erfahrungen meine Entscheidung nicht wirklich leichter. Entweder ich gründe eine dubiose Limited, welche ob seriös oder nicht doch vielen Leuten eine Augenbraue nach oben zucken lässt oder eine einigermaßen beknackte UG (haftungsbeschränkt), die unterm Strich eine GmbH mit niedrigeren Gründungskosten ist.
    Mich würde mal interessieren, inwiefern der prophezeite “Run” auf die UG stattgefunden hat oder nicht. Ich tippe auf “oder nicht”…

  14. Jepp, kleines Problem. Haben wir wohl spät gemerkt und betraf, soweit wir wissen auch nur den Internet Explorer.

  15. Offtopic: Endlich funktioniert eure Startseite richtig. Hatte mich schon gewundert, warum nur das Karussell zu sehen war ;-)

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